Welt-Recycling-Tag: Schnäppchenjagd beim Kleidertausch

Kimi ist leidenschaftlicher Kleidertausch-Besucher. Der 56-jährige IT-Spezialist hat über viele Jahre seinen Vater gepflegt und wenig Zeit für eigene Hobbys gehabt. "Jetzt erobere ich mir mein Leben zurück", sagt er. Kimi genieße es, hier Gleichgesinnte zu treffen. Denn es ist eine eingeschworene Gemeinschaft, die Kleidertauschbörsen besucht. Besonders freut er sich, Romina (29) zu sehen. Die Bochumerin erzählt, dass sie es als "kleine Schwester" von zu Hause aus gewohnt sei, Gebrauchtkleidung zu tragen. Mittlerweile findet sie es nicht mehr einfach nur praktisch, sondern es macht ihr auch Spaß, den Kleiderschrank mit neuen Lieblingsteilen aufzufrischen, die andere Menschen aussortiert haben.

 

In der Alten Lohnhalle der ehemaligen Zeche Holland veranstaltet youngcaritas Ruhr-Mitte, eine Gruppe ehrenamtlich und sozial engagierter junger Menschen, mehrmals im Jahr den Kleidertausch - gleich neben der Schwarzkaue, in der die Bergleute früher nach der Schicht ihre kohlenschwarze Arbeitskleidung abgelegt und saubere Straßenkleidung angezogen haben. Etwas ganz Ähnliches passiert hier heute auch, wenn die Gäste der Kleidertauschbörse gut erhaltene Gebrauchtkleidung mitbringen und sich aus den zusammengetragenen Kleidungsstücken wieder welche mit nach Hause nehmen können. Ein Angebot, das gut ankommt: Am frühen Nachmittag haben die Initiator*innen bereits rund 250 Besucherinnen und Besucher gezählt, die auf Schnäppchenjagd gehen.

 

Anna Brodowski (29) ist ehrenamtlich engagiert und hilft heute in der Alten Lohnhalle mit, die Kleidung anzunehmen und auf die bereitgestellten Kleiderständer und Tische zu verteilen. "Beim ersten Kleidertausch habe ich meinen halben Kleiderschrank angeschleppt", erzählt sie. Neu kaufe sie eigentlich nur Bandshirts bei Konzerten, die sie besucht, und plädiert für bewussteren Einkauf.

 

Jaqueline Langer (27), die die Aktionen von youngcaritas beim Caritasverband Ruhr-Mitte hauptamtlich koordiniert, freut sich über den Andrang und erklärt den Ansatz des Projektes: "Es ist eine Katastrophe, wie viel Kleidung unserer Wohlstandsgesellschaft ungetragen in Ländern des Südens vernichtet wird und dort für massive Umweltzerstörung sorgt. Wir brauchen hier ein Umdenken. Wir müssen lokal und regionaler zu denken, fair gehandelte Produkte und Secondhand-Ware kaufen. Der Kleidertausch geht mit gutem Beispiel voran." Sie freut sich, dass der Betreiber der Alten Lohnhalle "Knepper Management" den Ort für diese Veranstaltung kostenlos zur Verfügung stellt.

 

youngcaritas wer oder was ist das?

Mittlerweile gibt es youngcaritas-Gruppen an über 80 Orten bundesweit - junge Menschen, die sich mit kreativen Aktionen und Projekten für andere einsetzen und so den Gedanken der Caritas leben. Neben Fragen der Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit steht der Umweltschutz dabei ganz weit oben auf der Liste, aber auch Themen wie Klimawandel, Armut, Flucht, Migration und Inklusion. Die youngcaritas-Gruppe beim Caritasverband Ruhr-Mitte realisiert noch weitere Projekte, die den Gedanken der Caritas in konkretes Tun umwandeln: Dazu gehören "Briefe gegen Einsamkeit" an Seniorinnen und Senioren, die im Altenheim leben, Begegnungen mit Wohnungslosen oder auch Reise-Erzählungen im Altenheim.

 

Ehrenamt gesucht?

Junge Menschen, die sich sozial engagieren wollen, sind bei youngcaritas genau richtig. Infos sind auf der Website youngcaritas Deutschland zu finden.

 

Außerdem finden Interessierte ein Ehrenamt über das Caritas Ehrenamtsportal DAS EHRENAMTSPORTAL DER CARITAS.

 

Podcast

Christoph Grätz hat den "Kleidertausch" in der Alten Lohnhalle besucht und mit Jacqueline Langer, Anna Brodowski, Kimi und Romina gesprochen. Hören Sie hier das ganze Gespräch: https://caritalks.podigee.io/114-kleidertausch