Kampagne
Schattenfrauen
Mädchen und Frauen aus der Rechtlosigkeit holen!
Die Frauen sind mitten unter uns. Sie haben die Heimat verlassen, um in Deutschland ein neues Leben zu wagen. Weil ihnen der Aufenthalt verweigert wird, tauchen sie unter, putzen schwarz, pflegen heimlich, werden ausgenutzt. Ihre Rechte fordern sie nicht ein, um nicht entdeckt zu werden. IN VIA setzt sich dafür ein, dass sich das ändert.

Frauen galten lange "nur" als Mitreisende migrierender Männer. Tatsächlich gibt es aber viele, die sich alleine auf den Weg in eine unsichere Zukunft machen. Sie setzen darauf, im Ausland so viel Geld zu verdienen, dass sie sich und den Daheimgebliebenen die Existenz sichern können. Einreisen können sie jedoch nur im Rahmen eines Besuchs, eines Studiums oder eines Au-pair Aufenthalts oder längerfristig im Rahmen der Familienzusammenführung. Ihr Plan scheitert oft an den begrenzten Möglichkeiten einer legalen Zuwanderung. So gibt es immer wieder Frauen, die nach ihrem offiziell genehmigten Aufenthalt als Au-Pair, Praktikantin oder Studentin ohne Papiere hier bleiben. Oder Frauen, die trotz Ehe mit einem deutschen Mann nach ihrer Einreise keine eigenständige Aufenthaltserlaubnis erhalten und zum Beispiel nach einer Trennung untertauchen, oft auch um Situationen häuslicher Gewalt zu entgehen.
Ausgenutzt, ausgebeutet und ohne Rechte
Hinzu kommen Frauen, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Deutschland angeworben und Opfer von Menschenhandel wurden. Sie haben keine Aufenthaltsgenehmigung. Kriminelle nutzen diese rechtlich unsichere Lage aus und zwingen die Frauen zur Prostitution oder in andere ausbeuterische Arbeitsverhältnisse.
Zudem leben in Deutschland zahlreiche Frauen ohne einen gesicherten Aufenthaltsstatus. Die einen sind nur geduldet, die anderen warten auf einen Asylbescheid oder haben als anerkannte Kriegsflüchtlinge nur ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht. Das erlischt, sobald sich die Lage in der Heimatregion beruhigt. Neben politischen, ethnischen oder religiösen Gründen flüchten Frauen oft vor Gewalt und geschlechtsspezifischer Verfolgung. Sie kommen nach Europa und Deutschland, um Schutz zu suchen. Bei drohender Abschiebung ziehen sie es oft vor, versteckt hier weiter zu leben.
Das Leben als Schattenmensch zehrt an den Frauen
Das Leben ohne Aufenthaltspapiere zehrt an der Psyche der Frauen. Der finanzielle Druck ist enorm. Dabei finden viele Frauen, die zum Geldverdienen nach Deutschland kommen und ohne einen legalen Aufenthaltstitel bleiben, eine Arbeit. In Privathaushalten pflegen sie alte und kranke Menschen, versorgen Kinder oder putzen. Sie arbeiten schwarz für Reinigungsfirmen und in Imbissbuden. Sie sind nicht sozial- und krankenversichert. Oft werden sie ausgebeutet. Als Schattenmenschen können sie ihre Rechte nicht einfordern. Obwohl sie aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht Hilfe in Anspruch nehmen könnten, gehen sie aus Angst nicht zum Arzt, ihre Kinder nicht in den Kindergarten. Manche von ihnen werden zudem Opfer sexueller und gewalttätiger Übergriffe.
Viele dieser Frauen organisieren ihr Leben bereits seit mehreren Jahren unter solch schwierigen Bedingungen. Sie haben Angst, entdeckt und ausgewiesen zu werden. IN VIA engagiert sich durch konkrete Hilfen und politisch für bessere Lebensbedingungen von Frauen ohne legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland. Dabei geht es letztlich um die Umsetzung der Menschenrechte. Denn: Kein Mensch ist illegal.